Inhalt
  1. Was der Hersteller im März angekündigt hat
  2. Doppelte Tiefe verändert die Zugriffslogik
  3. Originalverpackung spart nur unter passenden Bedingungen Arbeit
  4. Der Arbeitsplatz bestimmt den nutzbaren Durchsatz mit
  5. Quellen

Mehr Ware auf derselben Fläche unterzubringen klingt zunächst nach einem eindeutigen Fortschritt. Bei einem automatischen Behälterlager hängt der Nutzen jedoch davon ab, wie häufig welche Kiste benötigt wird. Hai Robotics hat seine HaiPick-Climb-Plattform 2026 unter anderem um doppeltiefe Konfigurationen erweitert. Ein chinesischer Fachbeitrag bei International Industrial Automation News vom 4. August 2026 beschreibt den Einsatz des Systems in einem japanischen Vorführzentrum und führt Hai Robotics als Herkunft der Informationen an.

Was der Hersteller im März angekündigt hat

Die Herstellerankündigung vom 9. März 2026 nennt eine höhere Speicherdichte, zusätzliche Arbeitsabläufe und doppeltiefe Lagerkonfigurationen. Hai Robotics beschreibt außerdem die Handhabung von Kartons beziehungsweise Originalverpackungen mit automatischem Auflegen auf und Abnehmen von Trays. HaiQ koordiniert den Materialfluss. Die beworbenen Obergrenzen für Durchsatz und Behälterzahl sind Auslegungsangaben des Anbieters; sie sind keine für jedes Projekt gleichzeitig zugesicherten Ergebnisse.

Doppelte Tiefe verändert die Zugriffslogik

Die folgende Einordnung betrachtet die Projektplanung, nicht eine eigene Messung des Systems. Bei dichter Lagerung wird aus der Frage nach freien Plätzen eine Frage nach günstigen Zugriffsfolgen. Ein beispielhaftes Sortiment mit wenigen häufig bestellten Artikeln und vielen seltenen Varianten benötigt eine andere Belegungsstrategie als ein Lager, in dem fast jede Position gleich häufig abgefragt wird. Zwei Anlagen mit derselben Stellplatzzahl können deshalb sehr unterschiedliche Auftragsleistungen erreichen.

Wichtig wäre im konkreten Layout, welche Zugriffe zusätzliche Bewegungen auslösen und wie die Software diese Bewegungen mit dem Nachschub kombiniert. Ein Test sollte nicht nur aus ideal angeordneten Behältern bestehen. Er sollte auch einen Tageswechsel mit geänderten Prioritäten, kurzfristige Eilaufträge und neu eintreffende Ware abbilden. Dadurch wird sichtbar, ob die höhere Dichte lediglich auf einer Zeichnung gut aussieht oder den tatsächlich benötigten Bestand zweckmäßig erschließt.

Originalverpackung spart nur unter passenden Bedingungen Arbeit

Die Aussicht, Ware nicht zuerst umpacken zu müssen, ist für Händler besonders relevant. Bei der Prüfung muss aber klar sein, welche Verpackungen mechanisch und organisatorisch geeignet sind. Ein stabiler rechteckiger Karton stellt andere Anforderungen als ein eingedrücktes Paket mit überstehender Lasche. Etikettenposition, Gewichtsverteilung und zulässige Abmessungen gehören in die Freigabeliste. Das sind zu klärende Projektbedingungen, keine behaupteten Schwächen von HaiPick Climb.

Außerdem verschwindet die Wareneingangsprüfung nicht durch einen automatischen Trayprozess. Beschädigte Verpackungen und widersprüchliche Bestandsdaten brauchen weiterhin eine Entscheidung. Wird ein solcher Fall erst am Kommissionierplatz bemerkt, hat das Lager zuvor bereits Transport- und Speicherleistung dafür aufgewendet. Ein gut definierter Prüfpunkt am Eingang kann daher für die spätere Anlagenleistung ebenso wichtig sein wie die Geschwindigkeit eines Kletterroboters.

Der Arbeitsplatz bestimmt den nutzbaren Durchsatz mit

Für die wirtschaftliche Bewertung sollte der Betrachtungsrahmen über das Regal hinausreichen. Mitarbeitende müssen eine bereitgestellte Ware eindeutig erkennen, die richtige Menge entnehmen und die Buchung abschließen können. Ein kontinuierlicher Behälterstrom hilft wenig, wenn Aufträge am Packplatz auf Material oder Freigaben warten. Entsprechend gehört die Verbindung zwischen Lagerverwaltung, Arbeitsstation und Versand in denselben Pilotversuch.

Unser redaktioneller Maßstab wäre ein Vergleich mit identischen historischen Aufträgen und dokumentierten Annahmen. Einbezogen werden sollten verfügbare Fläche, Nachschubbedarf, Wartungszugang und die Zahl gleichzeitig nutzbarer Arbeitsplätze. Auch ein geplanter Ausbau muss zeigen, welche Unterbrechungen er erfordert. HaiPick Climb ist damit ein interessanter Ansatz für kompakte Lager; die belastbare Entscheidung entsteht aus dem Zusammenspiel von Bestandsstruktur, Zugriffsmuster und betrieblichem Ablauf.

Vor einer Investition lohnt sich außerdem eine Betrachtung der gesamten Betriebskosten. Bei dichter Lagerung gehören nicht nur Roboter und Regale dazu. Einzuplanen sind auch Umstellung, Stammdatenpflege und der weiter notwendige Umgang mit ungeeigneten Verpackungen. Erst dieser vollständige Rahmen erlaubt einen nachvollziehbaren Vergleich mit dem heutigen Ablauf.

Quellen & weiterführende Informationen

  1. Hai Robotics: Upgrade HaiPick Climb ↗Veröffentlicht: 2026-03-09 · Abgerufen: 2026-11-06